Seit Mitte Juli 2026 treiben braune bis orangefarbene Schlieren auf dem Meer vor La Palma — besonders entlang der Ostküste der Insel. Dahinter steckt weder ein Ölfilm noch Abwasser, sondern ein natürliches Phänomen mit dem Namen Trichodesmium. Für die meisten Badegäste ist es harmlos, doch die Reserva Mundial de la Biosfera La Palma rät an stark betroffenen Stellen ausdrücklich vom Baden ab. Wer im Hochsommer an La Palmas Stränden ins Wasser möchte, sollte deshalb kurz wissen, worum es geht.
Was sind die braunen Flecken?
Die Biosphären-Reserve stellt klar: Die Verfärbungen werden gern mit Abwasser oder Algen verwechselt, tatsächlich handelt es sich aber um Trichodesmium erythraeum. Das ist streng genommen keine Mikroalge, sondern ein Cyanobakterium — ein ganz natürlicher Bestandteil des offenen Ozeans, den man wegen seiner Optik auch „Meeressägemehl“ nennt. In den Kanaren taucht es fast jeden Sommer auf und ist damit ein wiederkehrendes, vorübergehendes Naturschauspiel, kein Alarmzeichen für verschmutztes Wasser. Auch wissenschaftliche Untersuchungen der kanarischen Behörden ordnen die Blüte als natürlichen Vorgang ein.
Sichtbare Teppiche bilden sich vor allem dann, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:
- warmes Meerwasser im Hochsommer
- ruhige See mit wenig Wellengang
- schwacher Wind, der die Ansammlungen nicht auflöst
- ein erhöhtes Nährstoffangebot — teils begünstigt durch vorangegangene Calima-Lagen
Ist Baden jetzt gefährlich?
Unter normalen Bedingungen ist das Phänomen unproblematisch. Kritisch wird es nur dort, wo sich das Cyanobakterium dicht zusammenschiebt: In hoher Konzentration kann der Kontakt bei empfindlichen Personen Haut, Augen und Schleimhäute reizen — von Hautausschlag über Bindehautreizung bis zu gereizten Schleimhäuten. Die Reserva de la Biosfera empfiehlt deshalb, an sichtbar dicht betroffenen Stellen nicht zu baden, auf einen anderen Badeplatz auszuweichen und den Kontakt mit Wasser und Sand zu meiden, sobald sich eine schaumige „Haut“ oder grün-rötlich-braune Schlieren auf der Oberfläche zeigen.
Dass die Gemeinden im Ernstfall reagieren, zeigt ein Blick zurück: Bei einer stärkeren Welle im August 2017 sperrten Breña Alta und Breña Baja vorübergehend die beliebten Badezonen Bajamar und Los Cancajos, in Santa Cruz de La Palma wehte die gelbe Flagge. Achte am Strand daher immer auf die Beflaggung — Gelb bedeutet Baden mit Vorsicht, Rot ein Badeverbot. Den Anweisungen der Rettungsschwimmer und örtlichen Behörden solltest du in jedem Fall folgen.
Was bedeutet das für Reisende?
- Beflaggung beachten — die lokale Flagge am Strand ist maßgeblich: Gelb = Vorsicht, Rot = Badeverbot.
- Ausweichen lohnt sich — betroffen ist vor allem die Ostküste. Ist eine Bucht voller Schlieren, kann der Nachbarstrand schon wieder klar sein. Wo der Tag gerade am besten passt, zeigt dir unser Heute-am-besten-Tool.
- Wetter und Calima checken — weil ruhige, warme und calima-geprägte Lagen die Blüte fördern, hilft ein Blick auf Calima-Status und Wetter, um die Bedingungen einzuschätzen.
- Gesunder Menschenverstand — wo das Wasser sichtbar verfärbt ist, einfach nicht hineingehen. Sichtungen kannst du über die Bürgerwissenschafts-Plattform RedPROMAR des Gobierno de Canarias melden und so zur Beobachtung beitragen.
- Kein Grund zur Panik — die Erscheinung ist natürlich und meist nach wenigen Tagen wieder verschwunden.
Quellen
- Mundo La Palma — Mitteilung der Reserva Mundial de la Biosfera La Palma (18. Juli 2026)
- elDiario.es / Canarias Ahora — zur aktuellen Ausbreitung an den kanarischen Küsten im Sommer 2026
- RedPROMAR (Gobierno de Canarias) — Erklärung, was diese Sommer-Flecken eigentlich sind
- Ayuntamiento de Adeje — Sanidad — Trichodesmium im Badegewässer-Kontrollprogramm
- El Apurón — Präzedenzfall auf La Palma mit Badeverboten (August 2017)
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