La Palma ist mehr als Vulkane und Sterne. Die Insel ist eine Schatzkammer endemischer Arten — Pflanzen und Tiere, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Wer mit offenen Augen wandert, entdeckt Wespenspinnen, Eidechsen, wilde Artischocken und Drachenbäume aus der Tertiärzeit.
🌵 Cardo silvestre — die wilde Artischocke

Die wilde Artischocke — botanisch Cynara cardunculus — wächst bis in 1.500 m Höhe in trockenen, sonnigen Lagen. Im Frühjahr leuchten ihre lila-violetten Blütenkronen aus der Vulkanlandschaft heraus. Die jungen Stiele waren bei den Benahoaritas und später auf der ganzen Insel ein wichtiges Lebensmittel — und auch heute findet man „cardos“ auf einigen kanarischen Speisekarten.
- Wo: Cumbre Vieja, Hänge unter dem Roque, brachliegende Felder im Aridane-Tal
- Wann: April bis Juli (Blütezeit)
- Erkennen: Stachelige Blätter wie eine Mini-Distel, große violette Korbblüte
🕷️ Wespenspinne — die kanarische Argiope

Die Wespenspinne — Argiope trifasciata — ist eines der spektakulärsten Insekten der Insel. Mit ihren kräftigen gelb-schwarzen Streifen ahmt sie eine Wespe nach (Mimikry), ist aber harmlos für Menschen. Du erkennst sie an ihrem typischen Zickzack-Streifen (Stabiliment) im Netz, der UV-Licht reflektiert und Insekten anlockt.
- Wo: Trockene Hänge, Mauern, Bananenplantagen — meist auf Hüfthöhe
- Wann: Spätsommer und Herbst (Aug-Nov)
- Wichtig: Nicht giftig für Menschen. Falls du eine siehst — Foto, nicht stören.
🦎 Kanarische Eidechse — Gallotia galloti palmae
Die Insel-eigene Unterart der Westkanarischen Eidechse hat sich auf La Palma in Millionen Jahren entwickelt. Männchen können bis zu 30 cm lang werden, mit blauer Kehle und dunklen Flanken. Sie sind tagaktiv und überall — an Mauern, auf Lavasteinen, in Plantagen. Spannend zu beobachten beim „Pumpen“ auf erhöhten Aussichtspunkten zur Reviermarkierung.
🌳 Drachenbaum — der Tausendjährige
Die Drachen-Bäume (Dracaena draco) gelten als Symbol der Kanaren. Auf La Palma stehen einige beeindruckende Exemplare in Las Tricias und Buracas — geschätzt mehrere hundert Jahre alt. Ihr roter Harz („Drachenblut“) wurde früher als Färbe- und Heilmittel genutzt. Seit der spanischen Eroberung sind sie selten geworden.
Wo Tiere & Pflanzen besonders gut zu sehen sind
- Caldera de Taburiente — Cardos, Eidechsen, mit Glück Bussard und Mäusebussard
- Lorbeerwald Cubo de la Galga — Lorbeerwald-Endemiten, Vögel
- Las Tricias (Garafía) — Drachenbäume in der natürlichen Kulturlandschaft
- Cumbre Vieja — Pinares (Pinus canariensis), Cardos, Lavafelder mit Pionierpflanzen
Tipps zum Beobachten
- Früh morgens: Eidechsen sind gerade aufgewärmt, Vögel singen
- Fernglas: für Bussard, Mäusebussard, Kanarengirlitz
- Makro-Linse: für Insekten und Blüten
- Geduld: Tiere kommen, wenn du still wartest
Die Endemiten-Vielfalt ist neben Vulkanen und Sternen der dritte Insel-Schatz, den die meisten Touristen verpassen. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit wird jede Wanderung zu einer Mini-Safari.