Michaels perfekter La-Palma-Tag: Die Inselumrundung als Tagestour

Es gibt Tage, die nicht geplant werden müssen – sie ergeben sich aus der Geografie La Palmas und einer simplen Einsicht: Wer einmal von der Westseite bis zum Gipfel hoch und auf der Ostseite wieder runter gefahren ist, hat die Insel in ihren drei Klimazonen erlebt. Das ist kein Geheimtipp, sondern das, was ich mit Besuchern mache. Hier der Ablauf, mit den echten Zwischenstopps und Pausen.

Die Route in einem Satz

Los Llanos → Mirador El Time → Roque de los Muchachos → Santa Cruz → Meerwasserbecken → El Paso zur Pizza. Acht bis zehn Stunden insgesamt, 120 Kilometer Fahrt, drei Klimazonen, keine Autobahn.

Start: Frühstück in Los Llanos

Los Llanos de Aridane ist das pulsierende Herz der Westseite. Frühstück gibt es in einem der Cafés am Plaza de España, oft mit Blick auf die Lorbeerbäume. Kaffee – Cortado oder Barraquito – und ein Stück Tortilla oder ein Tostado mit Tomate. Ankommen, atmen, die Inselluft einfängt.

Auf dem Weg raus aus Los Llanos einen kurzen Blick auf die Webcams oder unser Live-Wetter-Widget: Wenn die Caldera-Cam klar zeigt, ist der Gipfel offen – wichtige Info für die Weiterfahrt.

Erster Halt: Mirador El Time

Von Los Llanos geht es auf der LP-1 nach Norden, 20 Minuten. Der Mirador El Time ist einer der spektakulärsten Aussichtspunkte der Kanaren – 600 Meter senkrecht über der Playa Tazacorte, mit Blick über das gesamte Aridane-Tal, die Mole von Tazacorte, den Atlantik bis zu La Gomera und El Hierro am Horizont. Das Panorama ist einer der Orte, an denen man begreift, warum die Insel „La Isla Bonita“ heißt.

Tipp: Wer die Cam dort noch als Vorschau sehen will, der nutzt die HD-Livecam Mirador El Time – sie zeigt genau diese Aussicht in HD.

Zweiter Halt: Der wilde Weg zum Roque de los Muchachos

Vom Mirador El Time geht es weiter über Puntagorda und Garafía zum Roque de los Muchachos. Die Strecke ist der absolute Kontrast zur touristischen Westseite: Einsame Straßen, Mandelhaine, Drachenbäume, Kiefernwälder, kaum ein anderes Auto. Nach etwa 90 Minuten Fahrt landet man auf dem Gipfel – 2.426 Meter, mit Blick auf die berühmten Teleskope und den Caldera-Kessel zu Füßen.

Oben wird es kühl (im Sommer 12-18 °C, im Winter auch knapp über null), deshalb immer eine Jacke mitnehmen. Die Ruhe, der Wüstencharakter der Landschaft, die Teleskop-Kuppeln – das ist ein Ort, an dem man ohne Agenda bleibt. Unser Roque-de-los-Muchachos-Guide erklärt die Teleskope im Detail.

Wer einen Live-Check machen will, bevor er hochfährt: Die GTC- und NOT-Webcams zeigen, ob der Gipfel frei ist oder in Wolken liegt.

Abstieg nach Osten: Santa Cruz

Vom Roque geht es auf der LP-4 runter nach Osten. Die Strecke durch den Kiefernwald nach Santa Cruz dauert etwa 60 Minuten und ist ebenfalls wunderschön – gelegentliche Ausblicke auf den Atlantik, Mandelblüten im Januar und Februar, gelegentlich Ziegen auf der Straße.

In Santa Cruz bin ich oft für 90 Minuten zu Fuß: Durch die Calle Real mit den bunten Balkonen, kurz in die Kirche El Salvador, auf die Plaza de España, vielleicht ein Kaffee am Hafen. Details im Santa-Cruz-Guide.

Der Reset: Meerwasserbecken

Nach Santa Cruz geht es spätnachmittags runter auf die LP-1 Richtung Norden. Die Charco Azul bei San Andrés, La Fajana bei Barlovento oder die Piscinas de La Fajana – drei der besten natürlichen Meerwasserbecken der Kanaren. Ein Sprung ins Salzwasser, das Becken füllt sich bei jeder Welle neu, das Gefühl nach acht Stunden Fahren wie ein Reset-Knopf.

Details zu den Becken: Naturschwimmbecken auf La Palma. Wer direkt weiterfahren will, kann auch am Charco Azul halten.

Abschluss: Pizza in El Paso

Von den Becken zurück ins Aridane-Tal dauert etwa eine Stunde. In El Paso – dem „Höhendorf“ oberhalb von Los Llanos – gibt es mehrere gute Pizzerien, wir landen immer in der Cantina del Geco an der Ctra. General. Holzofen-Pizza, faire Preise, Terrasse mit ein paar Tischen draußen. Nach einem Tag voller Kilometer, Höhenmeter, Panoramen und Salzwasser funktioniert Pizza besser als jedes Fine Dining.

Wein dazu: ein glas kühler Listan Blanco oder ein Negramoll aus Fuencaliente. Die Pizza rustikal, der Kellner freundlich, draußen wird es langsam kühler. Das ist das Ende des perfekten Tags.

Praktische Hinweise

  • Dauer: 8-10 Stunden, inklusive aller Stopps.
  • Kilometer: ca. 120 km, davon 50 km Serpentinen.
  • Höhendifferenz: von 0 auf 2.426 m und wieder runter.
  • Tanken: vor der Abfahrt in Los Llanos voll machen, oben gibt es nichts.
  • Jacke: am Roque zwingend, auch im Sommer.
  • Badesachen: für die Meerwasserbecken am Abend.
  • Schuhe: feste Schuhe auf dem Roque (Schotterwege, Wind).
  • Start: 8:30-9:00 Uhr, spätestens um Wolkenbildung am Gipfel zu vermeiden.

Was wir dabei lernen

Die Schönheit La Palmas liegt in ihren extremen Gegenstätzen auf engstem Raum. An einem Tag erlebt man das subtropische Aridane-Tal, den Hochgebirgs-Wüsten-Look am Roque, die koloniale Ostküste, die vulkanischen Schwimmbecken und die verbundene Ruhe des Höhendorfs. Das ist das, was keine andere Kanareninsel so kompakt liefert – und der Grund, warum Besucher oft nach dem ersten Tag sagen: „Dann bleibe ich länger.“

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Orte auf der Route: Valle de Aridane · Tijarafe & Mirador El Time · Roque de los Muchachos · Santa Cruz de La Palma · Naturschwimmbecken.

Webcams für den Check: Caldera (Gipfel offen?), Roque (Sicht?), Santa Cruz (Kreuzfahrt?), Alle Cams auf einen Blick.

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