Die klassische Caldera-Durchquerung von Los Brecitos nach Puerto de Tazacorte ist die schönste Tageswanderung der Kanaren – Punkt. 16 Kilometer durch einen der eindrucksvollsten Talkessel Europas, von 1.000 m auf Meereshöhe, vorbei an Pinienhängen, riesigen Felswänden und einem Bachbett, das sich tief in den Basalt gefressen hat. Wer einen einzigen Tag auf La Palma intensiv nutzen will, macht diese Tour.
Die Route in Zahlen
- Start: Los Brecitos (ca. 1.000 m Höhe)
- Ziel: Puerto de Tazacorte (Meereshöhe)
- Länge: ca. 16 km
- Gehzeit: 6–7 Stunden
- Höhenmeter: rund 1.000 m abwärts, wenige Aufstiege
- Schwierigkeit: mittel – technisch nicht anspruchsvoll, aber konditionell fordernd
- Markierung: als PR LP-13, stellenweise kombiniert mit dem GR-130
Wie du hinkommst: Das Taxi-System
Los Brecitos ist mit dem eigenen Auto nur eingeschränkt erreichbar – die Piste ist eng und nach starken Regenfällen gesperrt. Der etablierte Weg ist das Shuttle-Taxi ab Los Llanos oder El Paso:
- Sammeltaxis ab dem Busbahnhof Los Llanos starten morgens zwischen 7:30 und 9:00 Uhr
- Kosten: ca. 15–20 € pro Person (inkl. Nationalpark-Zufahrt)
- Reservierung am Vortag im Hotel oder direkt am Taxistand
Zurück geht's vom Puerto de Tazacorte mit Bus, Taxi oder — wer Zeit und Kraft hat — einem gemieteten Zweitwagen, den der Reisepartner parallel an den Hafen bringt.
Was du unterwegs siehst
Der Einstieg am Mirador Los Brecitos
Ankunft auf der Schotterpiste, dann Aussteigen am kleinen Parkplatz: Du stehst auf dem Nordrand der Caldera de Taburiente und blickst tief in das Innere des Talkessels. Erste Fotostopps sind Pflicht. Nach wenigen Minuten beginnt der Abstieg.
Kiefernwald und Roque Idafe
Die erste Hälfte führt durch den kanarischen Kiefernwald – schattiger als erwartet, duftend nach Harz. Gelegentliche Ausblicke auf den Roque Idafe, den freistehenden Basalt-Felsen, der für die Awara-Ureinwohner heilig war.
Área de Acampada
Nach etwa 2 Stunden erreichst du den offiziellen Campingplatz im Park. Hier ist ein Stopp sinnvoll: Trinkwasser aus Quellen, Toiletten, Schatten. Wer langsam gehen will, kann hier sein Mittag machen.
Cascada de Colores – ein ehrliches Update
Die bunte Mineralwand Cascada de Colores gehörte jahrzehntelang zu den ikonischen Bildern der Caldera-Wanderung – eine kleine Kaskade, an der sich Eisen, Kupfer und Schwefel aus den Gesteinen in rot-orangen und grünen Farbschichten abgelagert hatten. Die starken Unwetter und Niederschläge Anfang 2016 haben allerdings große Teile der Cascada weggespült. Was du heute dort siehst, ist ein Schatten der früheren Pracht: einzelne Färbungen an der Wand, Reste der Terrassen, aber nicht mehr der spektakuläre Farbvorhang der Postkartenmotive.
Trotzdem lohnt der kurze Abstecher, schon weil die Cascada am natürlichen Wegverlauf liegt. Erwarte aber nicht die Bilderbuch-Szene, die du im Internet findest – diese stammen größtenteils aus der Zeit vor 2016.
Barranco de las Angustias
Die zweite Tageshälfte führt durch den Barranco de las Angustias, den einzigen natürlichen Abfluss der Caldera. Der Weg folgt abschnittsweise dem Bachbett, du querst den Bach mehrmals (Wasserschuhe oder Wanderstiefel sinnvoll), passierst gewaltige Felswände, alte Dorfruinen. Dieser Abschnitt prägt den Charakter der Tour: still, geologisch gewaltig, fast einsam.
Ankunft am Hafen von Tazacorte
Nach 6–7 Stunden erreichst du Puerto de Tazacorte. Der Lohn: ein kaltes Cerveza Dorada direkt am Hafen, eine Portion Papas arrugadas mit Mojo, Füße ins Wasser. Ein rundumverdienter Abschluss.
Wichtige Sicherheitshinweise
- Nie bei Regen oder Regenvorhersage in den Barranco gehen – das Einzugsgebiet ist groß, Sturzfluten sind möglich, die Strecke wird dann offiziell gesperrt
- Mindestens 2 Liter Wasser mitnehmen, die Quellen am Campingplatz sind die letzte verlässliche Auffüllstation
- Sonnenschutz: In der zweiten Tageshälfte gibt es wenig Schatten
- Wanderschuhe mit Profil – Turnschuhe reichen nicht, der Bachbett-Boden ist rutschig
- Früher Start – das letzte Taxi ab Puerto Tazacorte nach Los Llanos fährt oft gegen 18:00 Uhr, später nur per Taxi
- Nicht allein gehen, wenn du unsicher bist – es gibt keinen Handyempfang in Teilen des Barrancos
Beste Jahreszeit
Oktober bis April ist ideal – nicht zu heiß im Barranco, selten verregnet. November und Februar/März sind oft die klarsten Monate mit stabiler Sicht auf die Caldera-Wände. Juli und August können im Bachbett extrem heiß werden (oft 30 °C in der Sonne), ab 15:00 Uhr schafft die tief stehende Sonne spektakuläres Gegenlicht – auch wenn die Tour dann anstrengend ist.
Alternativen
Wer die große Durchquerung (noch) nicht machen will, aber einen Eindruck der Caldera sucht:
- La Cumbrecita – Balkon-Blick ohne Wandern (Anfahrt mit Online-Reservierung)
- GR-131 Ruta del Bastón – alpine Umrundung der Caldera-Kante
- Weitere 10 Wanderungen: im Wander-Guide Valle de Aridane
Tipp nach der Tour
Nach 16 km Abstieg spürst du jeden Schritt. Ein Tag nach der Tour ist Fabios Tui-Shia-Massage in El Paso einer der effektivsten Wege, die Muskulatur zu regenerieren – besonders für Rücken und Knie, die von den Bachbett-Stufen beansprucht waren.
