Caldera de Taburiente: Der Nationalpark, der La Palma sein Herz gibt

Caldera de Taburiente auf La Palma – Blick in den Talkessel

Die Caldera de Taburiente ist das Herz La Palmas. Ein acht Kilometer breites, 1.500 m tiefes Bergrund, gefräst von Erosion und Rutschungen, umgeben von einem zackigen Gipfelring mit dem 2.426 m hohen Roque de los Muchachos als Krone. Seit 1954 ist sie Nationalpark, seit 2002 Biosphärenreservat, und für Wanderer, Geologen und Astronomen eine Liga für sich. Dieser Guide zeigt dir, was die Caldera wirklich ist – und was nicht.

Die Caldera – kein normaler Krater

Der Begriff „Caldera“ ist das spanische Wort für „Kessel“ und wurde genau hier geprägt: Deutsche und britische Geologen des 19. Jahrhunderts übernahmen das Wort der einheimischen Bauern und machten es zum Fachterminus für vulkanische Einbruchskessel weltweit. Die Caldera de Taburiente ist allerdings kein klassischer Einsturzkessel: Heutiger Konsens ist, dass die Form vor allem durch Erosion und riesige Hangrutschungen entstand – der alte Schildvulkan brach über Jahrtausende seitlich aus, und das Barranco de las Angustias, der einzige natürliche Abfluss, fräste sich tief ins Innere.

  • Durchmesser: rund 8 km
  • Höhenunterschied: über 2.000 m vom Talboden zum Roque de los Muchachos
  • Fläche Nationalpark: 4.690 ha
  • Gegründet: 1954 (einer der ältesten Nationalparks Spaniens)
  • Einziger Abfluss: Barranco de las Angustias, mündet bei Tazacorte ins Meer

Wanderrouten: Von Spaziergang bis Expedition

La Cumbrecita – der Balkon

Der einfachste Einstieg: Mit dem Auto von El Paso 25 Minuten hinauf (Achtung: Zufahrtsgenehmigung erforderlich, online über reservasparquesnacionales.es). Vom Mirador de La Cumbrecita auf 1.300 m hast du einen Balkon-Blick in den Kessel – ohne zu laufen. Kleine Rundwege (30–90 Min.) erschließen weitere Aussichten.

Los Brecitos → Barranco de las Angustias

Die klassische Durchquerung. Taxi oder Shuttle von Los Llanos nach Los Brecitos (1.000 m), dann 16–17 km zickzack hinab bis nach Tazacorte. Gehzeit 6–7 Stunden, teils durch das Bachbett, Vorsicht bei Regen im Einzugsgebiet. Unterwegs: Cascada de Colores (bunte Mineralwand), gewaltige Lorbeerwälder, Campo de Tiburones.

GR-131 – Ruta del Bastimento

Der Fernwanderweg, der um den gesamten Krater läuft. Etwa 25 km mit über 1.500 Höhenmetern. Für konditionsstarke Wanderer die beeindruckendste Umrundung auf den Kanaren. Startpunkt Pico de la Nieve, Ziel Roque de los Muchachos.

Roque de los Muchachos

Der höchste Punkt der Insel, mit dem Auto erreichbar. Aussicht bei klarer Sicht: Teneriffa mit dem Teide, El Hierro, teils sogar Gran Canaria. Direkt daneben das Observatorio del Roque de los Muchachos, einer der wichtigsten astronomischen Standorte weltweit, mit Instrumenten wie dem Gran Telescopio Canarias (GTC), mit 10,4 m Spiegel das leistungsstärkste Einzelteleskop der Erde.

Das heilige Erbe: Roque Idafe und die Awara

Bevor die Spanier 1493 die Insel eroberten, lebten im Kessel die Awara, ein Zweig der Benahoaritas. Für sie war die Caldera heilig. Der freistehende Basalt-Felsen Roque Idafe galt als Säule, auf der die Welt ruhte; nach der Legende würde der Himmel einstürzen, würde der Idafe fallen. Archaisch und unverändert steht der Roque heute noch mitten in der Caldera – sichtbar von mehreren Aussichtspunkten.

Der Blick von außen: Die Caldera auf der Livecam

Der Krater selbst ist von unserer Position nicht einsehbar – seine Wände schirmen das Innere ab. Was der Stream aber zeigt, ist die beeindruckende äußere Bergkante: der gezackte Grat, der im Abendlicht tiefrot aufleuchtet, vor dem sich das Wolkenmeer staut und den Gipfel Roque de los Muchachos nachts als winziges Lichtbündel verrät (Observatoriums-Bauten). Für viele Zuschauer ist genau diese Kante das ikonische Bild der Insel – mehr als der Vulkan.

FAQ zur Caldera de Taburiente

Ist die Caldera de Taburiente ein Vulkankrater?

Nein, nicht im klassischen Sinn. Obwohl der Name „Caldera“ vulkanisch klingt, entstand dieser Kessel vor allem durch Erosion und gigantische Hangrutschungen des alten Schildvulkans – nicht durch eine einzelne explosive Eruption.

Brauche ich eine Genehmigung, um in die Caldera zu wandern?

Für die Anfahrt nach La Cumbrecita ja (kostenlos, aber täglich kontingentiert, online buchen). Für das Wandern innerhalb des Parks nein – außer wenn du im Nationalpark campieren willst, dann gibt es einen speziellen Stellplatz Área de Acampada mit Vorab-Reservierung.

Kann man mit dem Auto in die Caldera hineinfahren?

Nein, nur bis zur Außenkante (La Cumbrecita, Mirador de los Brecitos). Alles innerhalb des Parks ist Fußgänger-Zone.

Wie hoch ist der Roque de los Muchachos?

2.426 m. Er ist der höchste Punkt der Insel und gleichzeitig Standort mehrerer internationaler Großteleskope.