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La Palma hat nicht ein Wetter – es hat zwei. Während die Nordostseite der Insel grün, feucht und oft wolkenverhangen ist, liegt die Westseite mit dem Valle de Aridane im Regenschatten. Verantwortlich für dieses Klimakunststwerk ist ein Trio: der Nordost-Passat, die Temperaturinversion und das Phänomen Mar de Nubes. Dieser Guide erklärt, wie das zusammenhängt – und warum der Westen der Insel fast immer die richtige Wahl ist.
Zwei Inseln in einer: Nord vs. West
Die Cumbre Nueva und die Caldera de Taburiente bilden eine Bergkette, die wie eine Wetterscheide mitten durch La Palma läuft. Der Passatwind aus Nordost trifft als Erstes auf den Norden der Insel – Barlovento, San Andrés y Sauces, Los Tilos. Dort steigt die Luft, kühlt ab, Wolken entstehen, es regnet. Diese Seite ist so feucht, dass dort ein Lorbeerwald wächst, wie er in Europa nur noch auf wenigen Inseln existiert.
Auf der anderen Seite der Bergkette passiert das Gegenteil: Die Luft sinkt ab, erwärmt sich wieder (Föhneffekt), die Wolken lösen sich auf. Im Aridane-Tal scheint deshalb oft die Sonne, während der Nordosten um San Andrés y Sauces unter Wolken liegt. Das ist der Regenschatten, der das Aridane-Tal so sonnig macht.
Der Passat: Die Klima-Maschine der Kanaren
Der Nordost-Passat (spanisch: alisios) ist ein kontinuierlicher Wind, der Wasser aus dem Atlantik aufnimmt und gegen die Kanaren drückt. Er entsteht durch das Druckgefälle zwischen dem Azorenhoch und dem Äquator-Tief. Auf La Palma weht er an den meisten Tagen des Jahres, am beständigsten im Sommer. Genau diese Konstanz macht das Inselklima so verlässlich: Die mittleren Temperaturen des kühlsten Monats (Februar) und der wärmsten (August und September) liegen nur rund 6 Grad auseinander (AEMET, Flughafen La Palma).
Mar de Nubes: Das Wolkenmeer
Das Mar de Nubes – „Wolkenmeer“ – ist eine flache Stratocumulus-Wolkendecke, die über dem Ozean auf 800–1.600 m Höhe schwebt. Sie entsteht durch die Passatinversion: Unter den Wolken kühle, feuchte Atlantikluft; darüber warme, trockene Absinkluft aus der Subtropen-Zirkulation. Dazwischen eine Temperaturbarriere, an der die Wolken wie an einem Deckel hängen bleiben.
Vom Tal aus sieht man das Wolkenmeer nur bei bestimmten Wetterlagen: Wenn der Passat kräftig weht und die Inversion tief liegt, schiebt es sich über die Bergkante und rollt wie ein Fluss in das Aridane-Tal hinein. Von oben (z. B. vom Roque de los Muchachos auf 2.426 m) schaust du dagegen auf ein weites, wogendes Wolkenplateau, aus dem die Gipfel der Nachbarinseln ragen, allen voran der Teide auf Teneriffa.
Für unsere Livecam ist das Mar de Nubes eins der visuell stärksten Motive.
Calima: Wenn die Sahara zu Besuch kommt
Einige Male im Jahr, im Winter ebenso wie im Sommer, dreht der Wind auf Südost und bringt heiße, staubige Luft aus der Sahara. Dieses Phänomen heißt Calima. Die Sicht wird milchig, die Sonne steht orange am Himmel, Autos und Solarpanels bekommen einen Feinstaubfilm. Im Sommer können die Temperaturen dabei binnen Stunden auf deutlich über 30 °C steigen. Wer asthmatisch ist, merkt es sofort.
Für Fotografen ist Calima bei Sonnenauf- und untergang ein Geschenk: Das Licht wird weich, gelb und dramatisch. Für Wanderer und Sternengucker ist es grässlich. Die Calima Ende Februar 2020 war eine der stärksten seit Jahrzehnten.
Jahreszeiten im Westen La Palmas
- Winter (Dez–Feb): 16–22 °C, Wassertemperatur 20 °C, vereinzelte Regentage. Schnee am Roque de los Muchachos. Mandelblüte ab Ende Januar.
- Frühling (Mär–Mai): 18–25 °C, kaum Regen. Die Insel blüht überall – Kanarische Glockenblumen, Natterkopf, Hibiskus. Beste Wander-Saison.
- Sommer (Jun–Sep): 24–30 °C, wenig Regen, Passat am beständigsten. Ideal für Strand, Sternbeobachtung, Badeurlaub.
- Herbst (Okt–Nov): 20–27 °C, erste Regentage, Wasser noch warm (etwa 23–24 °C).
Beste Reisezeit – nach Ziel
- Wandern: Oktober bis April. Kühl genug für die langen Caldera-Touren, trocken genug für stabile Wege.
- Strand & Surfen: Mai bis Oktober. Wasser etwa 21–24 °C, wenig Wind im Lee der Bergkette (Tazacorte, Puerto Naos).
- Sternbeobachtung: April bis September (Milchstraßen-Kern sichtbar). Am Roque auch im Winter klasse, aber oft kalt und mit Nebelrisiko an den Straßen.
- Mandelblüte: Ende Januar bis Mitte Februar, vor allem um El Paso und Puntagorda.
FAQ Wetter La Palma West
Wann ist die beste Reisezeit für La Palma?
Für Wanderer und Sonnenanbeter: März bis Mai und Oktober. Für Badeurlaub: Juni bis September. Für Sternbeobachtung: Juli bis September im Aridane-Tal.
Ist es auf La Palma immer sonnig?
Im Westen fast. Im Norden und Osten dagegen oft bewölkt durch den Passat. Daher Empfehlung: Unterkunft im Aridane-Tal oder in Puntagorda buchen, von dort Ausflüge in den feuchten Norden machen.
Was ist das Mar de Nubes?
Eine flache Wolkendecke, die durch die Passat-Inversion entsteht. Von den Gipfeln aus sieht man darauf, von unten hebt sie den Talboden in eine sanfte, gleichmäßige Beleuchtung.
Wie oft kommt Calima vor?
Mehrmals im Jahr, oft für einige Tage, im Winter ebenso wie im Sommer. Wer Allergien oder Atemwegsprobleme hat, sollte sich im Reisezeitraum über die Vorhersage informieren (AEMET Kanaren).
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Live-Tipp: Ob gerade Mar de Nubes oder Sonne über dem Westen liegt, siehst du sofort auf unserer Live-Kamera mit Blick über das Aridane-Tal.